Die ganze Welt ändern, wenigstens für einen Menschen

Der 28jährige Münchner Felix Korts engagiert sich als Pate für Flüchtlinge

Hmod ist 18 und stammt aus Syrien, Abdi, 17, kommt aus Somalia – zwei von über 800.000 Flüchtlingen, die dieses Jahr nach Deutschland kommen. Und zwei, die es zumindest in einer Hinsicht besonders gut getroffen haben: mit Felix Korts, ihrem Paten. Der junge Mann geht mit den beiden spazieren, spielt Schach, geht mit ihnen Döner essen, zeigt ihnen München.

Und er hilft ihnen, spielerisch Deutsch zu lernen, indem er ihnen mehrmals am Tag Sprachnachrichten schickt mit kleinen Übungen. Mit Hmod will Korts demnächst in die Türkei fahren, ins Flüchtlingslager an der syrischen Grenze, damit dieser seine Mutter endlich wieder sehen kann, von der er auf seiner Flucht getrennt wurde.

Sein Vater ist tot. Felix Korts hat Geld gesammelt für das Flugticket nach Istanbul und den Transfer an die Grenze. Als Student hatte er selbst nicht viel Geld, das er geben könnte. Dafür hat er Ahnung von politischen und rechtlichen Systemen. Er weiß, dass minderjährige Flüchtlinge besonderen Schutz, aber auch besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen:

„Oft sind sie ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen. Sie waren gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und sich von ihren Familien und ihrer Kultur zu trennen. Auf ihrer Flucht waren sie vielfachen Gefährdungen und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Sie erreichen Deutschland erschöpft und teilweise traumatisiert und hoffen, hier zur Ruhe zu kommen, um sich ein neues Leben aufzubauen.“ Um den Flüchtlingen zur Seite zu stehen, hat Korts den Verein „Münchner Mentoren“ gegründet, der sachkundige Vormünder, Paten oder Pflegefamilien vermittelt und sie durch Fortbildung, Beratung, Supervision und Erfahrungsaustausch schult und unterstützt.

„Junge Flüchtlinge sind besonders motivierte und mutige junge Menschen, die unsere Gesellschaft wesentlich bereichern können – Voraussetzung sind eine erfolgreiche Integration und ein sicherer Aufenthaltsstatus.“

„Es müssen vertrauenswürdige, zuverlässige und engagierte Frauen und Männer sein. Um sicherzustellen, dass die Menschen, Interessen, Hobbys und Erwartungen jeweils zueinander passen, wird sehr viel Zeit, Sorgfalt und Energie in die Auswahl und Schulung investiert“, sagt Korts.

Potentielle Patenkinder gibt es inzwischen reichlich, doch für das rechtlich erheblich anspruchsvollere Vormundschaftsamt suchen die Münchner Mentoren weiterhin qualifizierte Personen. Die zu betreuenden Jugendlichen sind meist zwischen 13 und 20 Jahre alt, die ersten Treffen finden immer mit einem Betreuer und gegebenenfalls einem Dolmetscher in den jeweiligen Einrichtungen statt. Mädchen werden nur an Frauen vermittelt. Felix Korts selbst trifft sich mit seinen beiden Schützlingen alle ein bis zwei Wochen, je nachdem, wie viel Zeit ist. Mit wenig Aufwand könne man schon viel erreichen, sagt er. Er ziehe selbst großen Nutzen aus seinem Engagement.

„Durch die vielen Erzählungen meiner Jungs komme ich zum Nachdenken über die wirklich wichtigen Dinge. Ich lerne zu verzichten und wertzuschätzen.“ Vor kurzem sagte Hmod zu ihm, dass er sein Vorbild sei und der einzige, dem er vertraue. Das sei für ihn eine unbezahlbare Erfahrung gewesen. Während seines Zivildienstes in der häuslichen Pflege hatte Korts zum ersten Mal gesehen, wie manche Menschen im reichen München leben müssen. Auch auf Reisen nach Indien sei er mit unglaublicher Armut konfrontiert worden, da sei ihm bewusst geworden, in welchem Luxus er lebe. „Ich dachte: Entweder ich verzweifle, resigniere, oder ich versuche, daraus die Kraft zu schöpfen, etwas zu verändern“, erzählt er. „Immer wieder komme ich an diesen Verzweiflungspunkt, an dem ich merke: Ich kann nicht die ganze Welt verändern. Aber dank Hmod und Abdi weiß ich inzwischen auch: Ich kann durchaus die ganze Welt für ein, zwei Personen verändern.“