Gescheiterten muss geholfen werden

Interview mit dem Unternehmer und Stifter Günther Karl über sein Lebensthema: Risiko

Der Deggendorfer Unternehmer Günther Karl zählt zu denjenigen Unterstützern, die die Stiftung München erst möglich gemacht haben. In seiner Heimat und Umgebung ist er bereits seit langem als sogenannter Mäzen bekannt.
So förderte er in Deggendorf den Bau der Eishalle und die Errichtung der Fachhochschule. Seine Lebensart gilt dem Risiko – und dem damit verbundenen möglichen Scheitern.

Woher kommt Ihre soziale Ader?

Von meiner Herkunft, die mich sehr geprägt hat. Ich stamme aus eher ärmlichen Familienverhältnissen, sodass unser Leben  einen enormen Kampfgeist forderte und von hartem Einsparen gekennzeichnet war. Oft wusste unsere Mutter daher nicht, was der nächste Tag auf den Tisch bringen soll. Trotz allem wagte ich im Alter von zwanzig Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Aufbau des Unternehmens stellte mich vor große und zum Teil sehr grenzwertige Herausforderungen, was zudem zahlreiche schlaflose Nächte mit sich zog. Ich weiß, dass vieles auch hätte schief gehen können und war mir einem möglichen Scheitern wohl bewusst. Aufgrund meiner Erfahrungen ist es mir daher besonders wichtig, gerade auch für die da zu sein, die das Leben „aus der Bahn“ geworfen hat.

Wie helfen Sie?

Zuhause im Bayerischen Wald kennt man mich unter anderem dafür, dass ich für vieles und jeden immer ein „offenes Ohr“ habe und gerne bereit bin in Notsituationen zu helfen. Mich berühren vor allem Lebensgeschichten von Menschen die entsprechende Risiken eingegangen sind um etwas zu bewegen und zu erreichen. Leider aber aus diversen Gründen ihr Ziel nicht erreichen konnten und plötzlich vor dem Nichts standen.

Doch auch privaten Schicksalen sollte man seine unterstützende Hand reichen. So zum Beispiel einer Familie aus der Umgebung, deren Kleinkinder schwer an Neurodermitis sowie an einem Gehirntumor erkrankt sind. Da auch der Vater gesundheitlich eingeschränkt ist, „kämpft“  alleine die Mutter um die Existenz der Familie und dies mit ganzer Energie und Fürsorge. Auch solch eine Geschichte bewegte mich dazu, zu helfen.

Kann man bei Ihnen einfach so vorbei kommen und um Hilfe bitten?

Eine durchaus schöne Vorstellung, die sich jedoch mit meinem Alltag nicht vereinbaren lässt. Ich versuche mir jedoch so oft wie möglich die Zeit zum Helfen zu nehmen! Ich bin mir aber sicher, dass sich viele nicht trauen mich um Unterstützung zu bitten, weil ich vielleicht teilweise als etwas schroff gelte. Viele Schicksale gehen mir aber dennoch sehr nahe.

Scheitern hat im Deutschen keinen guten Klang.

Das verärgert mich und wirft kein gutes Licht auf unser Land. Wir brauchen Menschen, die bereit sind etwas zu wagen. Nicht nur im  Unternehmen, auch in der Politik, in der Wissenschaft, in der Gesellschaft. Bei uns gibt es leider immer noch zu viel Häme, wenn jemand stürzt. Menschen die hierzu urteilen, sollen erst einmal selbst Mut beweisen oder zumindest versuchen sich in die Lage jener hineinzuversetzen die am Boden liegen und alles verloren haben. Das Gleiche gilt auch für Versicherungen.

Wie meinen Sie das?

Ich habe Menschen gesehen, die vor den Trümmern ihrer Existenz standen und zudem noch in langen Prozessen von ihren Versicherungen ausgehungert wurden. Ich frage mich, worin deren Aufgabe liegt, wofür sie da sind? Doch eigentlich dafür, echte Lebensrisiken zu versichern und dann einzustehen, wenn es „brennt“. Stattdessen ducken sie sich bei wirklich großen Schäden gekonnt und wo immer es geht weg. Das ist ein Skandal!

Wünschen Sie sich von der Stiftung München, dass sie es mit den Versicherungen aufnimmt?

(Lacht) Nein, das wäre nicht vom Stiftungszwecke gedeckt. Ich würde mit der Stiftung München aber gerne dazu beitragen, dass es sich junge Menschen ermutigt fühlen, Risiken in ihrem Leben einzugehen, egal in welchen Bereichen.

Enorme Risiken sind auch die Flüchtlinge eingegangen, die vor unseren Türen stehen. Rührt Sie ihr Schicksal?

Ja sehr! Es kommen ja auch die Besten aus ihren Ländern. Genau diejenigen, die etwas wagen und diesen gefährlichen Weg in Kauf nehmen – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ich würde mich freuen, wenn die Stiftung sich auch für diese Menschen engagiert.