Hauptsache: gemeinnützig

Interview mit dem Rechtsanwalt und Initiator der Stiftung München Ernst Tandler

Eingetragener Verein oder Stiftung – was ist die beste Organisationsform für soziale Projekte?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Es kommt auf das Projekt an, es kommen ja auch weitere Möglichkeiten in Betracht wie die gemeinnützige GmbH. Es ist sehr wichtig, dass man sich Gedanken über die Organisationsform macht, bevor man startet, denn die Rechtsform bedeutet eine wichtige Weichenstellung ganz am Anfang. Wie eine Initiative organisiert ist, hat Folgen für das Engagement selbst.

Die meisten Projekte dürften als e.V. organisiert sein, ist das wegen des Steuervorteils so?

Nein. Vereine müssen nicht eingetragen sein, um steuerlich gefördert werden zu können. Entscheidend dafür ist die Gemeinnützigkeit laut Abgabenordnung. Was gemeinnützig bedeutet, ist dort sehr allgemein formuliert, es sind daher sehr viele Vereinszwecke möglich. Wenn die Gemeinnützigkeit vom Finanzamt anerkannt ist, können Spenden von der Steuer abgezogen werden. Formal brauchen die Vereine nur eine Satzung und einen gewählten Vorstand. Allerdings ist es ratsam, einen Verein eintragen zu lassen, wenn es um größere Summen Geld geht, denn dann wird die Haftung der Vereinsmitglieder beschränkt. Der Aufwand eines e.V. im Vergleich zum nicht eingetragenen Verein ist wirklich überschaubar.

Was ist der Vorteil eines Vereins im Vergleich zu anderen Formen?

Die niedrige Einstiegsschwelle. Außerdem können als Mitglieder viele Aktive einbezogen werden, denn ein Verein lebt erst durch seine Mitglieder und ihre Beteiligung.

Wann raten Sie zur Gründung einer Stiftung?

In der Regel sollte man an eine Stiftung immer dann denken, wenn größere Beträge im Spiel sind. Die Reputation einer Stiftung im Vergleich zu einem Verein ist viel höher, weil bei der Stiftung der Zweck nicht verändert werden kann, und das Kapital in der Regel nicht angetastet werden darf. Allerdings bedeutet die Stiftung staatliche Aufsicht und damit eine Reihe von erforderlichen Formalien. Man sollte sich gut überlegen, ob man die erfüllen kann und will. Und es darf auch nicht vergessen werden, dass der Kapitalstock schon sehr groß sein muss, damit eine Stiftung aus den Erträgen ihren Zweck erfüllen kann – gerade im derzeitigen Niedrigzinsumfeld. Oft sind auch Stiftungen auf Spenden angewiesen.

Und was ist eine gGmbH?

Eine gemeinnützige GmbH ist dann sinnvoll, wenn das soziale Projekt laufend Einnahmen im wirtschaftlichen Bereich hat, etwa durch den Verkauf von Produkten. Die gGmbH ist umsatzsteuerpflichtig, das heißt, sie kann bei ihren Kosten – wie jedes Unternehmen – die Umsatzsteuer abziehen. Das können Vereine und Stiftungen nicht.

Woran scheitern die meisten gesellschaftlichen Initiativen nach Ihrer Erfahrung?

An der fehlenden Unterstützung. Eine gute Idee und aktive Engagierte allein reichen nicht. Sie brauchen erfahrene und potente Unterstützer. Die gewinnen Sie aber nicht nur über ihre gute Idee, einen flotten Auftritt, die vielen Engagierten – sondern auch über die Organisationsform: sie ist ein wichtiges Kriterium, ob ein Projekt vertrauenswürdig ist, um auch potente Unterstützer zu gewinnen.

So jemanden wie die Stiftung München?

Naja, so groß sind wir noch nicht, auch wir werben um weitere Förderer. Aber wir haben uns zum Ziel gesetzt: junge, innovative, kreative gesellschaftliche Projekte zu fördern, indem wir ihnen unser Knowhow anbieten, ihnen Öffentlichkeit verschaffen und mit möglichen Unterstützern zusammenbringen. Die Stiftung München folgt damit dem Modell der Business Inkubatoren, mit dem große, etablierte Konzerne neue Geschäftsideen fördern.

Wie ist diese Idee entstanden?

Im Grunde ist das an unserem Stammtisch geboren, den Anselm Bilgri seit vielen Jahren organisiert. Einmal im Monat trifft sich eine Reihe Münchner Bürger, die meisten von uns sind in der Stadt gesellschaftlich engagiert. Wir haben über die große Verdrossenheit vieler Menschen diskutiert. Dabei lebt eine Stadtgesellschaft von möglichst vielen Menschen, die sich in ihren Lebensbereichen für das Gemeinwohl oder für andere einsetzen. Engagierte Menschen sind das Gegenbild zum Wutbürger. Allerdings wandeln sich Ziele und Formen des gesellschaftlichen Engagements. Umso wichtiger ist es, dass sich auch junge Menschen mit Ihren Themen, Ideen, Kompetenzen, ihrer Freizeit und Energie für das Gemeinwohl einbringen, auch wenn sie es anders und für etwas anderes tun wollen, als ihre Eltern. Darauf wollen mit der Stiftung München eingehen.

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